Wissenswertes

 

28.06.2012 - Zerstörte Brille nach Autounfall:
Versicherung muss Neupreis erstatten

Die Internetseite Verkehrsreporter.net berichtet über ein weiteres Urteil zur Erstattung von zerstörten Brillen nach Unfällen. Im konkreten Fall war einem Autofahrer bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall seine noch voll funktionsfähige und verschleißspurenfreie Brille zerstört worden.

 

Das schrieb der Verkehrs-Reporter.net:

Wird einem Autofahrer bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall seine noch voll funktionsfähige und „Verschleißspuren-freie“ Brille zerstört, so darf ihm die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers nicht nur den (vermeintlichen) Zeitwert der Brille ersetzen. Er muss sich keinen Abzug „neu für alt“ gefallen lassen. Es ist nämlich so gut wie ausgeschlossen, für den „höchstpersönlichen Gegenstand Brille“ auf dem Markt ein entsprechend der angeblichen Abnutzung vorhandenes Produkt zu finden.

Bei sachgerechter Beurteilung müsse das Risiko eines außergewöhnlich hohen Wiederbeschaffungswertes eines Gegenstands nicht dem Geschädigten, sondern dem Schädiger auferlegt werden, urteilten die Amtsrichter in Coesfeld. Im konkreten Fall wurde dem Brillenträger der volle Kaufpreis für die neue Brille in Höhe von 722 Euro zugestanden; 422 Euro mehr, als der Versicherer nach seiner Zeitwertrechnung zahlen wollte (AmG Coesfeld, 11 C 281/08). (Auto-Reporter.NET/Wolfgang Büser)

 

Und das ist das Urteil im Original:


http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/muenster/ag_coesfeld/j2008/11_C_281_08urteil20081126.html

 

Amtsgericht Coesfeld, 11 C 281/08

 


Kann Bifokalbrille Fortschreiten der Kurzsichtigkeit (Myopie) bei Kindern bremsen?

13.01.2010 01:00

Das Deutsche Ärzteblatt berichtet aktuell über eine neue Studie, welche die Vermutung nahelegt, dass das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit durch eine bifokale Brille verlangsamt werden könnte.

Aktuelle Anstrengungen der Forschung Faktoren zu identifizieren, die eine Myopie begünstigen: Die tiefere Ursache der Myopie, die durch ein zu starkes Längenwachstum des Augapfels entsteht, ist noch immer unbekannt.

Eine laut Ärzteblatt nicht unumstrittene Theorie ist, dass eine Störung der Akkomodation das Längenwachstum stimulieren könnte, um die kurzzeitig entstehenden unscharfen Abbildungen auf der Netzhaut zu kompensieren. Diese Theorie ist durch die so genannte COMET-Studie (Correction of Myopia Evaluation Trial) nicht bestätigt worden. Der Unterschied der Gruppe von Kindern, die eine Gleitsichtbrille trugen (n=235) zu einer Kontrollgruppe mit normaler Brille (n=234) habe nach drei Jahren 0,2 Dioptrien betragen.

 

Die neue Studie, an der 135 kanadische Kinder chinesischer Herkunft teilnahmen, bringt neuen Schwung in die Diskussion:

Ein Drittel der 8- bis 13-jährigen trug normale Brillen, ein Drittel eine Bifokalbrille und ein Drittel eine Bifokalbrille mit Prisma. Das Prisma solle ein latentes Schielen verhindern, welches ebenfalls als Risikofaktor für die Myopie in der Diskussion sei. Nach 2 Jahren hatte sich die Myopie bei den Trägern der Bifokalbrille um 0,61 Dioptrien weniger verschlechtert als bei den Trägern der normalen Brille. Bei den Trägern der Bifokalbrille mit Prisma betrug der Unterschied sogar 0,85 Dioptrien. Subgruppen-Analysen zeigten, so aerzteblatt.de weiter, dass bei Kindern mit einer langsamen Akkomodation oder einem latenten Außenschielen (Exophorie) die günstigste Wirkung erzielt wurde.

 

Die Studie, deren klinische Relevanz jedoch als fragwürdig eingeschätzt wird, ist in Archives of Ophthalmology (2010; 128: 12-19) erschienen und kann aktuell auf der Internetseite des Journals (externer Link) als Volltext heruntergeladen werden.

 

Quelle: aerzteblatt.de
Autor: Ingo Kemmer
Link/Download: Homepage Archives of Ophthalmology (externer Link)

Abzug „neu für alt“ bei zerstörter Brille?

13.05.2009 02:00

Mit dieser Frage musste sich das Landgericht Münster am 13. Mai 2009 auseinandersetzen. Ein Verkehrsunfallgeschädigter verlangte für seine bei einem Unfall zerstörte, etwa 5 Jahre alte Brille den gesamten Neu-preis einer vergleichbaren Brille. Ein Abzug „neu für alt“ als Vorteilsaus-gleich für den Umstand, dass er nun statt einer alten eine neue Brille besaß, wollte er nicht akzeptieren.

Zu Recht urteilte das Landgericht Münster. Zwar sei es in der Regel richtig, dass die wirtschaftliche Situation des Geschädigten nach einem Unfall nicht besser sein dürfe als vorher. Daher müsse sich der Geschädigte grundsätzlich einen Abzug „neu für alt“ gefallen lassen. Da es für Brillen aber keinen Gebrauchtmarkt gebe, der Geschädigte unverzüglich eine neue Brille benötigt habe und es überdies auch keine Anhaltspunkte für eine nur noch eingeschränkte Brauchbarkeit der alten Brille bestanden habe, käme vorliegend ein Abzug nicht in Betracht.

Allerdings steht diese Entscheidung im Widerspruch zur überwiegenden Rechtsprechung. Sowohl das Oberlandesgericht Düsseldorf als auch das Oberlandesgericht Hamm haben bereits im Jahr 2001 entschieden, dass es sich im Ergebnis um eine vorgezogene Neuanschaffung handele, wenn eine ältere Brille schadensbedingt ausgetauscht werden müsse. Deshalb sei ein Abzug „neu für alt“ auch in diesen Fällen erforderlich. Der ZVA empfiehlt, seine Richtlinie zur Zeitwertermittlung von Brillen im Schadensfall vom 16. November 2000 anzuwenden.